Der Sachverhalt
Am 14.9.2006, als der Papst Freising besuchte, hing ich ein zuvor mit der Aufschrift "DISKRIMINIERUNG, VERLEUGNUNG, ...KIRCHE – NEIN DANKE!" bemaltes Transparent (siehe Foto unter linker Navigationsleiste) aus dem Fenster im zweiten Stock eines Hauses in Freising, das direkt an der geplanten Papamobilstrecke lag. Damit wollte ich in der allgemeinen Jubelstimmung zum Ausdruck bringen, dass es in Freising auch andere Meinungen zur katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt gibt, da zum Beispiel mit der Diskriminierung von Frauen und anderen gesellschaftlichen Gruppen und der teilweisen Verleugnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen wie durch einen Schöpfungsmythos seitens der Kirche manche Menschen eben nicht einverstanden sind.
Kurze Zeit später fotografierte ein Polizist das Transparent. Ungefähr 10-15 min. nach dem Raushängen forderte mich ein Zivilpolizist von der Straße aus auf, das Plakat wegzunehmen. Ich weigerte mich, nachdem ich auf die Frage nach dem Grund für diese Aufforderung nur die Erwiderung bekommen hatte, ich müsse es machen, es sei Polizeibefehl. Ich bemerkte, dass es mein Recht auf freie Meinungsäußerung sei und ich keinen Grund sehe es wieder hereinzuhängen.
Ein paar Minuten später standen zwei Beamte der Kriminalpolizei in zivil vor der Tür. Auf die Frage, mit welcher Berechtigung sie in unser Haus eindringen wollten, zeigten sie mir nur ihre Polizeiausweise und traten gegen den eindeutigen Willen der Besitzer dennoch in die Wohnung ein.
Ein Polizist hielt mich im Eingangsbereich fest, während der andere in die Wohnung lief. Davon losgekommen stellte ich mich in die Tür der Küche, aus dessen Fenster das Transparent hing, um mein Eigentum zu schützen und machte das auch verbal deutlich. Der Kriminalhauptkomissar, der in einem anderen Raum des Hauses vergeblich nach dem entsprechenden Fenster gesucht hatte, versuchte dennoch unverzüglich in die Küche einzudringen, packte mich deutlich spürbar und schubste mich mit einiger Gewalt auf die Seite. Unbeachtet meines lautstarken Protestes gegen diese Misshandlung, ging er zum Fenster und riss das Transparent gewaltsam ab.
In einer anschließenden kleinen Diskussion und einem Verweis meinerseits auf die Verletzung meines Grundrechts auf freie Meinungsäußerung, beriefen sich die beiden Polizisten neben ein paar unsachlichen Äußerungen (inhaltlich: "der Papst kommt einmal in mehreren hundert Jahren nach Freising und da soll es dann auch gut in der Öffentlichkeit rüberkommen") immer wieder auf die bloße Ausführung eines Befehls Ihres Einsatzleiters.
Bevor sie das Haus verließen drohten sie mir außerdem bei eventuellen weiteren Aktivitäten meinerseits, sowohl ihr Verbleiben und Bewachen meiner Person im Haus sowie eine Ingewahrsamnahme an.
Ein paar Stunden später wurde mir eine Bescheinigung über die Beschlagnahme des Transparents ausgehändigt. Dabei wurde mir auch zum ersten mal ein angeblicher Grund – nämlich eine vermutete Verbindung zu einer genehmigten Protestaktion Homosexueller – genannt. Außerdem wurde mir eine Vorladung wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angekündigt.
Am folgenden Tag brachten mir dann zwei Polizeibeamte das zerrissene Transparent zurück und teilten mir mit, dass es keine weitere Verfolgung gegen mich geben werde.
Ich jedoch erstatte Strafantrag.